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Den meisten Großbritannien-Besuchern wird schnell klar, dass sich ihr Schulenglisch deutlich von dem auf der Insel tatsächlich gesprochenen Englisch unterscheidet. Neben sprachlichen Aspekten gib es zudem einige kulturelle Besonderheiten, die Reisende in Staunen versetzen.

Im Folgenden möchte ich Ihnen daher 5 Aspekte aufzeigen, welche eine echte Herausforderung für Deutsche darstellen können.

Akzente

In der Umgangssprache werden die Begriffe Dialekt und Akzent meist synonym verwendet. Die Bezeichnung Dialekt beschreibt die regionalen Variationen einer Sprache (Aussprache, Satzbau, Vokabular etc.), wobei der Unterschied zwischen Sprache und Dialekten in der Regel verschwindend gering ist.

Akzente sind hingegen ein Aspekt von Dialekten, der sich lediglich auf die Aussprache bezieht. Für Fremdsprachler haben es schon alleine die Akzente jedoch in sich. Wer schon einmal in Schottland oder Nordirland nach dem Weg gefragt hat, dem ist klar, dass die unterschiedlichen Akzente auf der Insel eine große Herausforderung darstellen können.

Auch wer im beruflichen Kontext mit Muttersprachlern aus Großbritannien oder Irland zu tun hat, wird oftmals schmerzlich erfahren müssen, dass das Verständnis nicht immer ganz einfach ist. Im folgenden Quiz können Sie herausfinden, wie gut Ihre Kenntnisse der unterschiedlichen englischen Akzente sind.

Quelle: https://www.pioneercomms.co.uk/the-uk-and-ireland-accents/

Zahlen

Auf den ersten Blick erscheint es merkwürdig, dass Zahlen im Englischen ein Problem für Deutsche sein könnten. Schließlich benutzen alle europäischen Staaten arabische Zahlen als Symbole. Bei genauerer Betrachtung wird jedoch klar, dass es durchaus deutliche Unterschiede gibt.

Wenn im Englischen beispielsweise von „One Billion Euro “ gesprochen wird, handelt es sich nicht etwa um eine Billionen Euro, sondern um eine Milliarde. Diese unterschiedliche Darstellung von Größenordnungen kann im Zweifelsfall einen erheblichen Unterschied machen.

Selbst die handschriftliche Schreibweise von Zahlen ist nicht völlig identisch. Gerade die ausgeschriebene Eins und Sieben können häufig für Verwirrung sorgen. So zeigt die erste Zeile im nebenstehenden Bild eine Eins und eine Sieben, wie ein Brite sie zu Papier bringen würde. Darunter sehen Sie die übliche deutsche Schreibweise im Vergleich.

Hier wird deutlich ersichtlich, dass insbesondere die deutsche Eins im ungünstigsten Fall von Briten als eine Sieben wahrgenommen werden kann.

Die Währung ist ein weiterer Bereich der schnell für Verwirrung sorgt. Nicht nur die Tatsache, dass Schottland und Nordirland bei gleicher Währung andere Geldscheine verwenden als im Rest des Vereinigten Königreichs – es gibt hierbei sogar bankenabhängige Unterschiede – sorgt schnell für Unsicherheiten.

Auch die Bezeichnungen des Geldes bieten einige Überraschung. So wird das Pfund (engl. pound) auch häufig als quid, das pence auch als „p“ (ausgesprochen wie „pea“) bezeichnet. Daneben werden zehn und fünf Pfund auch gerne „fiver“ oder „tenner“ genannt. Zusätzliche umgangssprachliche Bezeichnungen sind a bob (£1), a score (£20), a pony (£25), a ton (£100), a monkey (£500) und a grand (£1000).

Lokale Phrasen

Sprichwörter machen eine Sprache erst so richtig lebendig. Im Englischen ist das nicht anders, kann jedoch häufig für Unverständnis bei Fremdsprachlern sorgen. Phrasen wie „It’s raining cats and dogs“ (= Es regnet in Strömen) sind da noch leichter zu verstehen, da sich der Kontext wenigstens aus dem Satz ergibt. Aber es gibt auch Sprichworte deren Bedeutung sich nicht beim ersten Hören erschließt. “Bob’s your uncle!” zum Beispiel bedeutet „Bitte sehr!“, „Donkey’s years“ entspricht „ewig und drei Tage“.

Außerdem sollte man von der Verwendung denglischer Sprichwörter wie „Get the cow off the ice“ (Die Kuh vom Eis holen) oder „Too many cooks spoil the mash“ (Zu viele Köche verderben den Brei) Abstand nehmen, weil ein Brite diese nicht verstehen wird.

Überhöflichkeit

Wer nach England reist, dem fällt oftmals die übermäßige Höflichkeit auf, mit der sich die Menschen begegnen: immerzu wird Bitte und Danke gesagt, jeder entschuldigt sich für die geringste Kleinigkeit. Zu dem wissen die Menschen in England und Co., dass es sich gehört für jede Aktivität eine ordnungsgemäße Schlange zu bilden. An der Bushaltestelle wird sich in Reih und Glied aufgereiht; selbst wenn bei Regenwetter alle unter das Haltestellendach passen würden.

Dies ist sicherlich ein kultureller Unterschied, der eine große Herausforderung für die für ihre direkte Art bekannten Deutschen darstellt. Häufig beschleicht einen in Großbritannien das ungute Gefühl trotz größter Bemühungen unhöflich zu erscheinen.

Dies führt auch oftmals dazu, dass eigentlich ganz einfache Phrasen missverstanden werden. Das höfliche „How are you?“ oder „How are you doing?“, welches jeder Engländer zur Begrüßung sagt, hat nicht dieselbe Bedeutung wie das deutsche “Wie geht es dir/Ihnen?“. Anstatt tatsächlich nach dem Wohlbefinden zu fragen, hat der englische Satz eher die Funktion einer allgemeinen Begrüßung. Ihm sollte daher stets mit einer neutralen Antwort (etwa „good and you?“, „thank you, good“) entgegnet werden. Eine Auflistung der eigenen Befindlichkeiten (Krankheit, Familienstreit, Ärger mit dem Auto) wird nicht erwartet und sorgt nur für verstörte Gesichter.

Mehrdeutigkeit von Wörtern

Abschließend können auch einzelne Wörter je nach Region eine unterschiedliche Bedeutung entfalten. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Bezeichnung der einzelnen Mahlzeiten.

Während Menschen aus dem Süden Englands die drei Hauptmahlzeiten (Frühstück, Mittagessen, Abendessen) Breakfast, Lunch, Dinner/Tea nennen, heißen diese im Norden Breakfast, Dinner und Tea. Wenn also von Dinner gesprochen wird, sollte man stets nachhaken, ob nun von Mittagessen oder Abendessen die Rede ist.

Zusätzlich haben einige Wörter ortsunabhängig eine gänzlich andere Bedeutungen als erwartet. So kann sich hinter einem Pudding wesentlich mehr als ein süßes Dessert verbergen, wie die folgenden Bilder zeigen.

Bildquellen

  • Black Pudding Quelle: Katie Birkwood via Flickr (CC BY-SA 2.0)
  • Yorkshire Pudding Quelle: Sam Greenhalgh via Flickr (CC BY 2.0)
  • Christmas Pudding Quelle: Smabs Putzer via Flickr (CC BY 2.0)

Dieser Artikel ist ein redaktioneller Gastartikel von Benjamin Lauszat.

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