in Interviews

Michael K. (32) unterrichtet seit 12 Jahren die Fächer Deutsch und Spanisch an einer allgemein bildenden höheren Schule in Wien. Wir haben ihm im Rahmen unserer Interview-Reihe ein paar Fragen rund um das Thema Sprachen lernen gestellt.

Neben den Gründen seiner Motivation, jungen Menschen eine fremde Sprache näher zu bringen, fanden wir heraus, worauf es nach Meinung eines erfahrenen Pädagogen beim Lernen wirklich ankommt.

Außerdem haben wir erfahren, wie sich der steinigen Weg zum Erfolg  unter Umständen etwas ebnen lässt.

 

Fragenübersicht

  1. Wie siehst du das heutige Schulsystem?
  2. Wann hast du dich entschlossen eine Sprache zu unterrichten?
  3. Welche didaktischen Techniken hältst du für besonders wirksam?
  4. Was hältst du in diesem Bezug von modernen, interaktiven Lernmethoden, wie sie auf Sprachen Lernen vorgestellt werden?
  5. Mit welchen hattest du bereits Erfahrungen und wie schätzt du deren Potenzial für die Zukunft ein?
  6. Worauf kommt es deiner Meinung nach beim Lernen einer Sprache besonders an?
  7. Können sich deiner Meinung nach junge Menschen noch für eine Fremdsprache interessieren?
  8. Welchen hilfreichen Tipp oder guten Rat würdest du einem Lernenden geben, damit er die Motivation nicht verliert?

 

Wie siehst du das heutige Schulsystem?

Hier ist meiner Meinung nach seitens der zuständigen Politikern eine Menge Nachholbedarf gefordert. Warum im 21 Jahrhundert Frontalunterricht mit oft über 30 Schülern noch immer verbrochen wird, ist mir persönlich ein Rätsel.

Wann hast du dich entschlossen eine Sprache zu unterrichten?

Nun, die Überlegung in ferner Zukunft ebenfalls als Lehrer tätig zu sein, kam mir schon während meiner eigenen Schulzeit. Dass ich später Deutsch und Latein unterrichten werden, hätte ich mir zum damaligen Zeitpunkt nicht vorstellen können. Dieser Einfall kam mir eigentlich erst im Rahmen meiner langen Reisen, die mich von Indien nach über Südafrika und zurück nach Europa brachten.

Ich reiste immer schon mit unendlicher Begeisterung. Zu meiner Schulzeit war mir bereits klar, dass ich vor dem Studium für längere Zeit die Welt erkunden möchte. Klingt doch wie der klassische Wunschtraum eines pubertierenden Schülers? Nun, so kam ich eben auf die Idee,eine Sprache zu unterrichten, um jungen Erwachsenen durch das Beherrschen eines Fremdsprache die Möglichkeit zu eröfnen, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen.

Welche didaktischen Techniken hältst du für besonders wirksam?

Diese Frage lässt sich definitiv nicht pauschal beantworten, da man sich nie auf nur eine Methode beschränken darf. Der ausschlaggebende Punkt beim Lernen ist die Vielfalt der genutzten Sinne. Informationen, die nur über eine Schnittstelle in unser Bewusstsein gelangen werden unterbewusst als weniger wichtig eingestuft.

Nehmen wir eine Information hingegen über mehrere Kanäle gleichzeitig wahr, so wird diese tiefer gespeichert und lässt sich daher einfacher wieder abrufen. Gemäß dieser Erkenntnis halte ich eine Kombination aus sehend, lesend und hörend lernend am effektivsten.

Das mit Abstand wichtigste ist aber, dass das Lernen in gewissen Maße auch Spaß macht und abwechslungsreich ist.

Was hältst du in diesem Bezug von modernen, interaktiven Lernmethoden, wie sie auf Sprachen Lernen vorgestellt werden?

Prinzipiell sehr viel.
Allerdings sind diese leider noch nicht sehr verbreitet. Teils aus mangelnden Kompetenzen der Lehrer in Bezug auf moderne Medien, teils auf Grund fehlender Mittel. Fakt ist, dass hier schlicht und einfach die Ressourcen fehlen. Ich werde aber in Zukunft versuchen, mit meiner Klasse häufiger in den Computersaal zu gehen und dort das Lernen mit solchen Medien auszuprobieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass solche Plattformen in Zukunft dem Lehrer ein wenig Arbeit abnehmen könnten.

Mit welchen hattest du bereits Erfahrungen und wie schätzt du deren Potential für die Zukunft ein?

Leider mit viel zu wenigen. Dank einiger Anregungen von Sprachen Lernen versuche ich zwar immer wieder frischen Wind in den Unterricht zu bringen. Wirklich fruchten tut’s meistens aber auch nicht. Mal funktioniert der Beamer nicht, mal streikt das Internet.

Wie bereits erwähnt mangelt es hier bereits an fundamentaler Ausrüstung. Dass sich nicht jede Schule gleich ein digitales WhiteBoard-System anschaffen kann ist verständlich, eine neue Lampe für den Retro-Beamer und ein PC für jede Klasse sollte aber möglich sein.

Worauf kommt es deiner Meinung nach beim Lernen einer Sprache besonders an?

Motivation, Abwechslung und einem Ziel.

Können sich deiner Meinung nach junge Menschen noch für eine Fremdsprache interessieren?

Manche ja, manche nein – eigentlich wie bei jedem Fach. In Bezug auf Spanisch wohl eher weniger, da diese Fremdsprache im Gegensatz zu Englisch einen weitaus geringeren Stellenwert ausweist. Fundierte Englischkenntnisse sind für den weiteren Werdegang eines jeden Schülers sehr essentiell. Daher ist von vornherein mehr Interesse gegeben.

Welchen hilfreichen Tipp oder guten Rat würdest du einem Lernenden geben, damit er die Motivation nicht verliert?

Bei Rückschlägen nicht gleich entmutigen lassen und versuchen das Erlernte praktisch anzuwenden, zum Beispiel durch eine kleine Reise in den Sommerferien. Dadurch werden die Möglichkeiten, die sich durch eine Zweitspreche eröffnen, greifbar und das Lernen bekommt ein Ziel.

Wer sich beim Lernen schwer tut, dem würde ich raten einmal eine andere Lerntechnik auszuprobieren.

 

Vielen Dank für dieses höchst informative Interview! Mal sehen, ob sich weitere Gespräche ebenfalls so interessant gestalten werden.

 

Dies war die erste Ausgabe unserer Interview-Reihe. Falls auch du unseren Lesern etwas mitteilen möchtest, hast du hier die Möglichkeit dazu.

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